Karnak-Tempel
Der beeindruckende Karnak-Tempel liegt auf der Ostseite der Stadt Luxor, ungefähr drei Kilometer nördlich des Luxor-Tempels und mit ihm auf einer geografischen Achse. Er ist den Göttern, Amun, Chons und Mut gewidmet und wurde im Laufe der Zeit durch zahlreiche Pharaonen erweitert.
Auf ihrer Nilkreuzfahrt werden sie den Karnak-Tempel entweder ganz am Anfang oder am Ende ihrer Reise besuchen. Sehr oft findet am ersten Reisetag eine Besichtigung des Tempels bei Tag statt, und am Ende noch einmal gegen Aufpreis eine Führung bei Nacht, die so genannte "Ton und Licht Show".
Lage des Karnak-Tempels
Luxor ist der heutige Ausgangs- und Endpunkt der meisten Nilkreuzfahrten. Das war nicht immer so. Die
Route der klassischen Nilkreuzfahrt führte von Kairo über Luxor nach Assuan.
Neben der aktuellen Ortsbezeichnung Luxor ist der antike Name Theben immer noch in der archäologischen Terminologie zur Einteilung der Stadt gebräuchlich. Hierbei wird nach Theben-West und Theben-Ost unterschieden.
Da die Ägypter ihre Toten traditionell auf der Westseite des Nils begruben, weil dort die Sonne untergeht, befinden sich dort alle Toten-Stätten und Nekropolen. Die Tempelanlagen der Menschen befanden sich hingegen auf der Seite der Lebenden, in Theben-Ost, wo die Sonne aufgeht.
Somit liegen sowohl der Karnak-Tempel, als auch die Anlegestellen für die Nilkreuzfahrt-Schiffe, im östlichen Teil der Stadt. Sie werden oben an der Straße mit einem Bus abgeholt und erreichen nach kurzer Fahrtzeit die Tempelanlagen.
Ankunft in der Tempelstadt
Ursprünglich lag der Karnak-Tempel direkt am Nil. Zu diesen Zeiten führte der Fluß weitaus mehr Wasser.
Noch heute sind am Mauerwerk Spuren zu erkennen, die darauf hindeuten, dass der Tempel in grauer Vergangenheit teilweise meterhoch überflutet war. Der Bau des zweiten Assuan-Staudammes hat diesen Überflutungen jedoch im Jahre 1970 ein Ende bereit.
Als Napoleon Bonaparte im Jahre 1798 Ägypten erobert, lag der Karnak-Tempel unter 20 Meter Sand begraben. So finden wir noch heute in dieser Höhe den Eintrag "Eigentum des französischen Staates" in das Gestein eingemeißelt.
Sie erreichen den Karnak-Tempel vom Bus-Parkplatz aus über eine Art Brücke, wo Polizisten mit Metalldetektoren dafür sorgen, dass sich nicht die falschen Leute Zugang verschaffen. Hier legten einst die Kultbarken der alten Ägypter an.
Hinter dem Kontrollposten befinden sie sich nach ein paar Treppen bereits direkt inmitten einer Allee mit widderköpfigen Sphinxen, die sie zum Haupteingang des Bauwerks geleitet. Hier wir sie ihr Reiseführer stoppen und gründlich in die geschichtlichen Hintergründe einweihen.
Ein Tempel für den Gott Amun
Die unvollendete Front des Tempels, der sogenannte Pylon, ist mit ihrer Höhe von 43,5 Metern, ihrer Breite
von 113 Metern und der Mauerstärke von 15 Metern durchaus beeindruckend. Dieser Teil des Tempels datiert auf die Ptolemäerzeit in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. zurück und ist somit der jüngste Teil des Komplexes.
Die alten Ägypter bauten ihre Anlagen stets von innen nach aussen, das heißt, die gewaltigen Umfassungsmauern kamen zuletzt. Es handelt sich beim Karnak-Tempel auch nicht um einen Tempel, sondern vielmehr um eine Ansammlung mehrerer Heiligtümer für verschiedene Gottheiten, wobei man Amun als den Hausherrn von Karnak bezeichnen darf. Man muss hierzu wissen, dass jeder altägyptischer Gott auch auf der Erde sein Zuhause hatte.
Die Götter wohnten in von Hohenpriestern bewachten Schreinen, in speziell für sie geweihten Tempel, und besuchten sich sogar von Zeit zu Zeit. Hierzu wurden diese Behältnisse einmal im Jahr auf Laden von einem Tempel zum anderen befördert. Diese Prozessionen fanden unter der großen Anteilnahme des Volkes statt, und galten auch als Beweis für die Existenz und die Gesundheit der Götter.
Der Säulensaal von Karnak, das 8. Weltwunder der Antike
Im Inneren der Tempelanlage findet man hinter dem zweiten Pylon den Großen Säulensaal, der zu Recht
als ein "Weltwunder" bezeichnet wird. Auf 5.408 m² hinterlassen 134 Säulen in 16 Reihen mit einer maximalen Höhe von 21 Metern einen bleibenden Eindruck auf den Reisenden. Leider hat der Säulensaal fast kein Dach mehr. Die wenigen, auf den Säulen verbliebenen Steinblöcke, haben etwas Beunruhigendes an sich. Ist der ägyptische TÜV wohl ebenso gut wie der deutsche?
Die Säulen sind alle reichlich mit Steinmetzarbeiten verziert. Ursprünglich trugen sie zudem noch eine bunte Bemalung, die leider fast vollständig gewichen ist. Nur an einigen Stellen kann man die einstige Schönheit dieser Arbeiten noch erahnen. An den Umfassungsmauern sind die siegreichen Schlachten von Sethos I. und Ramses II. über Gegner aus Libyen und Palästina abgebildet.
Die Pharaonen Amenophis III. und Thutmosis der I. errichteten den dritten und vierten Pylon, die heute leider sehr schwer beschädigt sind. In diesem Bereich standen einst insgesamt vier Obelisken, von denen jedoch nur noch einer von Thutmosis des I. erhalten geblieben ist.
Der Obelisk der Königin Hatschepsut
Ein weiterer Höhepunkt der Besichtigung des Karnak-Tempels ist der nach dem vierten Pylon folgende
Obelisk der Königin Hatschepsut (1490 bis 1468). Mit seiner Höhe von 29,5 Metern und einem Gewicht von nahezu 30 Tonnen, gehört er nach dem Lateran-Obelisken und dem unvollendeten Monolithen in Assuan zu den größten altägyptischen Obelisken überhaupt.
Unser Reiseleiter gab uns an dieser Stelle interessante Informationen über die derzeit gängigen Theorien, wie Obelisken in der Antike wohl aufgebaut worden waren, ohne Schaden zu nehmen. Eine Methode berichtet beispielweise von einer Komplett-Einschalung mit Sand. Der Obelisk rutscht von oben über den Sand nach unten. Sobald er fixiert ist, trägt man den Sand ab.
Das Areal der Tempelstadt bietet überdies noch viele weitere Sehenswürdigkeit, die hier leider nicht alle aufgeführt werden können. Sie sollten aber unter anderem den Anblick des Tempelsees nicht verpassen, der einstig vom Nilwasser gespeist worden war. Hier befindet sich übrigens auch ein Kiosk und ein Cafe, in dem man kühle Getränke erwerben kann. Auch Toiletten stehen hier zur Verfügung.
Eine noch zu erwähnende Kuriosität ist der große Skarabäus. Es ist für jeden Besucher des Karnak-Tempels ein ungeschriebenes Muss, eine Anzahl Runden um das aus Grantit gehauene Insekt zu gehen und sich dabei ganz intensiv etwas zu wünschen.
Sound- und Light-Show
Gegen einen Aufpreis von ungefähr 25 Euro können sie im Rahmen ihrer Nilkreuzfahrt die Teilnahme an der sogenannten Sound- und Lightshow buchen.
Diese findet ausschließlich bei Dunkelheit statt. Im Rahmen der Veranstaltung werden die Statuen des Geländes über gut gemachte Licht- und Toneffekte so zum Leben erweckt, dass der Eindruck entsteht, sie würden die steinernen Lippen bewegen. Dem Besucher wird so auf anschauliche Art und Weise und auf dem Gelände vom Karnak-Tempel die Geschichte des altägyptischen Reiches nahe gebracht, wobei jeder Pharao seine eigene Geschichte erzählt.
